Unser großes Stolpersteine Projekt
Unsere Forscher (die ältesten Kinder unserer Einrichtung) haben sich seit Karneval mit einer ganz besonderen Thematik beschäftigt. Denn auf unseren Karnevalswanderungen sind wir über sogenannte Stolpersteine gestolpert. Die kleinen goldenen Steine vor Häusern, die an im Holocaust verstorbene Menschen erinnern sollen. Einen Einblick in das Projekt möchten wir euch mit diesem Beitrag gerne geben.
Angefangen hat es mit einer unserer Karnevalswanderungen. In Vorbereitung auf den großen Schull- und Veedelszoch sind wir nämlich immer wieder los und ein Teilstück der Zugstrecke abgelaufen, um unsere Ausdauer zu verbessern und die gesamte Strecke schaffen zu können. In der Nähe des historischen Rathauses in der Innenstadt haben wir dann einen der besonderen Steine entdeckt und das erste Mal erfahren wofür sie eigentlich stehen. Denn auf jedem Stein steht ein Name von einer verstorbenen Person die man nicht vergessen soll. Manchmal liegen die Steine vor den Häusern in denen diese Menschen gelebt haben, manchmal vor deren ehemaligen Arbeitsplätzen.
Gemeinsam haben wir dann darüber gesprochen, dass die Menschen vor ganz ganz langer Zeit gelebt haben aber leider aufgrund einer bösen Person ihre Häuser und Arbeitsplätze verlassen mussten. Teilweise haben sie sich versteckt und wurden dann von Bekannten verraten, worufhin sie verhaftet und weggebracht wurden. In Lager mit ganz vielen Menschen in denen es ihnen sehr sehr schlecht ging. Sie wurden krank, es gab nicht genügend essen und kaum einer überlebte.
Das ganze ist natürlich auf eine kindgerechte Art und Weise wiedergegeben. In einer ähnlichen Form haben wir unseren ältesten Kindern erzählt was passiert ist, ohne den Namen des Mannes zu nennen, oder detailliert auf die Straftaten einzugehen. Unser Fokus lag während dem gesamten projekt auf den moralischen und emotionalen Werten. Wie gehen wir miteinander um? Was ist wichtig im Umgang mit anderen Menschen? Was ist falsch daran Menschen aufgrund von Merkmalen wie der Religion, Hautfarbe, Gesundheit etc. auszuschließen.
Fragen mit denen sich die Kinder beschäftigt haben und für die wir auf kindgerechte Art und Weise versucht haben Antworten zu finden. Jeden Dienstag haben wir uns dafür von 9:30 Uhr bis 10:30 Uhr in unserem Forschertreff zusammengesetzt und verschiedene Angebote oder aber auch Ausflüge geplant und durchgeführt.
So haben die Kinder eigene Stolpersteine für ihre verstorbenen Angehörigen gestaltet, die wir anschließend im Eingangsbereich unserer Einrichtung auf den Boden geklebt haben. Dafür haben sie zunächst mit ihren Eltern überlegt wem sie einen Stolperstein widmen könnten und die meisten hatten bereits verstorbene Großeltern.
Dann haben wir uns mit dem jüdischen Maler Felix Nußbaum beschäftigt. Dieser hat in seinen Kunstwerken Zeit seines Lebens seine Gefühle und Erfahrungen dargestellt. Er selbst ist leider dem Holocaust zum Opfer gefallen, hat zunächst aber ein Konzentrationslager überlebt und konnte fliehen. Diese traumatischen Erfahrungen haben seine KUnst verändert. Anfangs wirkten seine Werke bunt und fröhlich, er entwickelte sogar die einen Zeichentrickfilm mit den Figuren Pipps und Peggs, zum Schluss jedoch waren seine Werke geprägt von Dunkelheit und Schmerz. Sie wirkten düster und traurig.
Auch wir sind dann zu Künstler*innen geworden und haben gemeinsam überlegt wie wir unsere Eindrücke, Erfahrungen und Gefühle rund um die Stolpersteine in Bildern darstellen können. Für dieses Vorhaben haben wir zunächst Skizzen auf Papier erstellt und besprochen was uns wichtig ist, was wir darstellen möchten und wie genau. Anschließend haben wir die Skizzen dann mit Farbe auf richtige Leinwände gebracht. Diese sind seit dem in unserem Flur des Elementarbereichs ausgestellt und können bei einem "Gallerywalk" betrachtet werden.
Mit Hilfe von Literatur haben wir uns noch ein wenig mehr mit verschiedenen Thematiken rund um das Stolpersteine Projekt beschäftigt. So haben wir das weltberühmte Mädchen Anne Frank kennengelernt. Wir haben mit Hilfe des Kinderbuches aus der Reihe "Little People Big Dreams" ihre Geschichte und die ihrer Familie kennengelernt.
Außerdem haben wir uns ein bisschen mit den größten Weltreligionen beschäftigt. Die Verbindung zur Religion kommt daher, dass die Kinder wissen, dass die Menschen damals aufgrund ihres jüdischen Glaubens verfolgt wurden. Entsprechend haben wir besprochen was es eigentlich heißt zu glauben, welche großen Religionen es gibt und welche Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede innerhalb der Religionen sind.
Genutzt haben wir hierfür die beiden Kamishibai Geschichten "Weltreligionen - Was uns verbindet" und "Erzähl mir von deiner Religion".
Für Interessierte können wir außerdem das Kinderbuch "Steck Mal in meiner Haut" von Saskia Hödl, Pia Amofa-Antwi und Emily Claire Völker empfehlen.
Aber das wohl beste für die Kinder waren unsere Ausflüge die während der Zeit unseres Projektes stattfanden. SO haben wir den Kölner Dom als eine der größten Christlichen Gotteshäusern besucht, waren auf dem Melaten Friedhof, da uns aufgefallen ist dass auf Stolpersteinen ähnliches steht wie auf Grabsteinen, haben das Denkmal des Deportationslager Köln-Müngersdorf besucht und durften eine echte Stolpersteinverlegung live miterleben.
Über den Ausflug zum Melatenfriedhof und dem Denkmal, bei dem wir über 30 Kinder dabei hatten, da wir zwei weitere Kitas zur Teilnahme eingeladen haben, sowie über die Stolpersteinverlegung folgen noch weitere Homepagebeiträge.
Das Projekt war ein wirklich großer Erfolg und wir sind stolz auf die Kinder. Sie haben viel daraus mitgenommen, konnten sich mit Themen wie Rassismus und Diskrminierung beschäftigen und einen sensibleren Umgang untereinander, sowie mit ihren Mitmenschen.
Bei Fragen zum Projekt können Sie uns gerne jederzeit kontaktieren.